Segen eines Priesters

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Thuja
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Segen eines Priesters

Beitrag von Thuja »

Ihr Lieben,

hier die nächste Frage von mir:
Ich habe gelesen, dass mensch den Segen von einem Geistlichen ein Mal am Tag erbitten soll, nicht "missbrauchen", also mehrfach.
Mir fiel aber bei meinem letzten Klosterbesuch auf, als ein hoher Geistlicher bei "Utrenja" und "Vetschernja" (also Morgen- und Abendgottesdienst) als "normaler" Gläubiger teilnahm, also nicht zelebrierte, sondern auf Bitten zwischendrin nur etwas las, jeweils am Anfang des Gottesdienstes von einigen Gläubigen um seinen Segen gebeten wurde. Aber das waren dieselben Menschen morgens und abends, die darum baten und den Segen erhielten.
Ist das richtig so, oder habe ich 'was falsch verstanden mit dem "ein Mal am Tag"?
Danke im voraus für Eure Antwort-Bemühungen!

Fragende Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!
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Igor
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Igor »

Thuja hat geschrieben:Ist das richtig so, oder habe ich 'was falsch verstanden mit dem "ein Mal am Tag"?
Liebe Thuja,

eine „harte Regel“ ist mir diesbezüglich nicht bekannt. Natürlich ist es gut, den Segen zu bekommen und es ist möglicherweise auch ein Zeichen besonderer Ehrerbietung gegenüber dem Geistlichen. Manchmal wird es aber auch etwas übertrieben so frei nach dem Motto „Doppelt hält besser“. Dann ist u.U. der Geistliche sehr nur damit beschäftigt und hat für andere Dinge weniger Zeit, was auch nicht immer gut ist. Daher wohl die Aussage in dem Buch.

Aus der Praxis: Während eines Gottesdienstes lasse ich mich sogar mehrmals vom Priester segnen. Das hängt hier mit der Tätigkeit als Altardiener und Lektor zusammen. Da hole ich mir den Segen vor dem Anlegen der kirchlichen Kleidungsstücke, vor dem Lesen der Diptychen, vor dem Lesen des Apostels und letztendlich vor dem Verlassen des Altars/der Kirche.

Kurzum, mehr als einmal am Tag ist also durchaus möglich. Maßhalten ist aber erwünscht (wie eigentlich so oft im Leben).

In Christo
Igor
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)
Lazzaro
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Lazzaro »

Thuja hat geschrieben: Ist das richtig so, oder habe ich 'was falsch verstanden mit dem "ein Mal am Tag"?
Liebe Tuja!
Die große Wertschätzung Blagoslovenie * ist -glaube ich- eine ziemlich russische Spezialität.
Ich versuche mal als Außenstehender dieses Phänomen so zu beschreiben, wie es bei mir ankommt:

1. Es gehöhrt zur kirchlichen Etikette, daß man beim Begrüßen oder Verabschieden von einem Priester um Seinen Segen bittet. Ein einfaches "Oce Blagoslovi!" oder "Vater segne!" reicht aus. Dabei linke Hand über die rechte so daß beide Handflächen nach oben Zeigen und eine Art Schale bilden. Der Priester macht in diese "Schale" ein Kreuzzeichen, legt seine hand hienen und der Gläubige küßt sie. (Ist ein Bischof anwesend, bittet man streng genommem nur diesen um den Segen, aber die wenigsten wissen das.)

2. Hat der Segen eine liturgische Funktion, wie Igor oben beschrieben hat.

3. Ist der Segen das Zeichen der kirchlichen Gemeinschaft, daß heißt er hat eine ecclesiologische Funktion. Der Priester oder Bischof bestätigt mir dabei, daß mein Handeln ein Handeln der Kirche ist. Zum Beispiel: Eine Gruppe von Laien möchte sich zu Hause treffen, um den Akafist zu lesen. Es gibt keinen theologischen Grund das zu verbieten, also MUSS der Priester hierzu seinen Segen geben (wenn keine Praktischen Gründe dagegen sprechen). Hier bedeutet die Blagoslovenie: "Was Du machst, ist kirchlich korrekt und du machst es als Teil der Kirche Gottes." Der Priester hat hier eigentlich wenig Spielraum. (Wenn ich z. B. eine Fronleichnamsprozession besuchen wollte, darf er mir keinen Segen geben.)

4. Wird die Balgoslovenie leider oft mißgedeutet, daß man um alles die Erlaubnis bitten müßte: Beginnend vom Singen im Kirchenchor, wo es Sinn macht zu fragen, bis hin zur -sagen wir mal- Urlaubsplanung, wo es nicht sinvoll ist. Private Meinung des Autores: Hier ist dem Mißbrauch leider Tor und Tür geöffnet, was nicht nur an der Unselbstänigkeit mancher Laien sondern auch an den Schwächen mancher Kleriker liegen kann.

Zusammenfassung: Die Bitte um den Segen ist entweder eine Bestätigung der Priesterweihe durch einen Laien (Nr.1) oder eine im weitesten Sinne des Wortes kirchliche Beauftragung (Nr 2.+3.) durch den Priester. Beides gehöhrt zusammen.
Alles, das mit diesen beiden Kategorien nicht in Verbindung gebracht werden kann, ist meiner Meinung nach eine Aufforderung seinen eigene graue Materie in Gang zu setzten.

In Christo
Lazarus

* Gemeint ist der "Kult" um die Blgvennie.
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Priester Alexej
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Priester Alexej »

Hallo! Ihr lieben, danke für die ausführlichen Antworten! Von mir eine kurze Ergänzung:

Das erbitten des Segens für etwas hat noch zwei nenneswerte Gründe 1) Der Segen bedeutet nicht nur eine bloße Zustimmung oder Bestätigung (so etwas nennt man - auch in der Kirche - Erlaubnis), sondern eine Weitergabe der Gnade Gottes und der lebensspenen Energie - vom Priester bzw. dem Familienvater zum Gläbigen bzw. zu den Mitgliedern einer Familie.

Und 2) es ist die Erfüllung des Gehorsams - nicht etwas selbst zu entscheiden, sondern dem Gehorsam folge zu leisten und nicht dem eigenen Willen nach zu handeln.

Was den bekannten "Mißbrauch" des Segens angeht, der des öfteren beklagt wird, geht es dabei um die Verlagerung der eigenen Verantwortung auf den Priester. Bei wichtigen Entscheidungen sollte man natürlich den Priester um einen Segen bitten z.B. man möchte mit jemandem eine Beziehung eingehen bzw. heiraten, oder die Arbeitsstelle wächseln, oder die eigene Faßten/Gebetsregel anpassen. Es gibt aber sehr viele Menschen, die den Priester fragen, bei welchem Geschäft sie ihre Kartoffeln einkaufen sollen (im Ernst). Das sollte natürlich nicht sein.

Noch gravierender ist jedoch, wenn der Mensch durch das Erbitten eines Segens, versucht die Verantwortung für sein tun auf den Priester zu schieben. In dem Fall geht es dem Menschen nicht mehr um die Hilfe Gottes und den Gehorsam. Er möchte seine Entscheidungen nicht selbst treffen und auch die Verantwortung für diese nicht tragen - das soll der Priester übernehmen.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
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Thuja
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Re: Segen eines Priesters

Beitrag von Thuja »

Ihr Lieben,

danke für Eure ausführlichen Antworten, jetzt weiß ich mehr!
Nur bei Deiner Aussage, Lazarus, bin ich etwas stutzig geworden:
Dabei linke Hand über die rechte so daß beide Handflächen nach oben Zeigen und eine Art Schale bilden.
Meines Wissens nach muss die Handfläche der rechten Hand oben liegen, die linke unter der rechten Hand... Bild

Liebe Grüße
Thuja
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Lazzaro
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Re: Segen eines Priesters

Beitrag von Lazzaro »

Thuja hat geschrieben:Ihr Lieben,
danke für Eure ausführlichen Antworten, jetzt weiß ich mehr!
Nur bei Deiner Aussage, Lazarus, bin ich etwas stutzig geworden:
Dabei linke Hand über die rechte so daß beide Handflächen nach oben Zeigen und eine Art Schale bilden.
Meines Wissens nach muss die Handfläche der rechten Hand oben liegen, die linke unter der rechten Hand... Bild
Liebe Grüße
Thuja
Liebe Thuja!
Jetzt hast Du mich eiskalt erwischt !!!!! (Ich nix Russe! :oops: Ich nix genau wissen!)

Also jetzt im Ernst: Ich versuche mich gerade zu erinnern, wie ich wirklich wirklich meine Hände halte. Bis jetzt hat mich noch niemand wegen einer falschen Handhaltung zur Schnecke gemacht, was durchaus russische Unsitte wäre. Die rechte Hand oben scheint mir jetzt, da Du es erwähnt hast, auch irgendwie logischer. Auf jeden Fall gilt, wenn Dir ein Russe das so beigebracht hat, ist es auf jeden Fall so richtig.
Lazzaro
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Igor
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Re: Segen eines Priesters

Beitrag von Igor »

Thuja hat geschrieben:Meines Wissens nach muss die Handfläche der rechten Hand oben liegen, die linke unter der rechten Hand... Bild
Kurz und knapp: Korrekt!
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)
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Re: Segen eines Priesters

Beitrag von Lazzaro »

Igor hat geschrieben: Kurz und knapp: Korrekt!
Danke für die Korrektur.
Lazzaro
Nassos
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Re: Segen eines Priesters

Beitrag von Nassos »

Eigentlich gibt es dem ganzen hier ja nichts mehr anzufügen.

Eventuell noch die Erbetung des Segens bei Korrespondenz bzw. in einem Forenbeitrag bei einem Geistlichen.

Das mit den Handflächen kenne ich von den Russen. Bei den Griechen sehe ich, dass sie die Hand des Priesters mit der Rechten entgegennehmen und die Hand dann küssen. Wir kennen auch das Kreuzen der Arme vor Empfang der Hl. Kommunion nicht.
Ich finde jedoch beides sehr angemessen und drückt für mich auch Respekt aus, daher tue ich inzwischen beides. Hat sich noch keiner beschwert...
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